CO2 Kompensation für Industrie wirkt vermutlich Carbon Leakage entgegen

26. Februar 2020 | Nachrichten
CO2-kompensasjon

Das CO2-Preisausgleichssystem kompensiert die energieintensive Industrie für durch Strompreise verursachte indirekte CO2-Kosten. Unsere Studie zeigt auf, dass das System wahrscheinlich Carbon Leakage in der norwegischen Industrie verringert hat.

THEMA, unterstützt durch das EWI in Köln, hat im Auftrag des norwegischen Ministeriums für Klima und Umwelt die Auswirkungen des CO2-Preisausgleichssystems für Carbon Leakage in der norwegischen Industrie bewertet.

Das derzeitige System ist bis 2020 gültig. Der EU-Rahmen für 2021–2030 befindet sich derzeit in Entwicklung und die norwegischen Behörden müssen schlussendlich entscheiden, ob Norwegen weiterhin CO2-Kompensation zusagen wird. Das Ministerium gab die Studie in Auftrag, um herauszufinden, inwieweit das System Carbon Leakage gemäß des tatsächlichen Programmauftrags bisher verhindert hat.

Carbon Leakage tritt auf, wenn Emissionen aufgrund unterschiedlicher Kosten im Zusammenhang mit Maßnahmen zur CO2-Reduktion von einem Staat in einen anderen wandern.

Ziel des Ausgleichsmechanismus ist es, die Verlagerung von CO2-Emissionen aus energieintensiven Industrien aufgrund der Auswirkungen der CO2-Preise auf die Strompreise zu verringern.

Der Mechanismus entschädigt ausgewählte Branchen für den Anstieg der Stromkosten aufgrund des EU-Emissionshandels. Um sich für eine Vergütung zu qualifizieren, müssen die Branchen zwei Anforderungen erfüllen:

  • Sie sind in Sektoren tätig, die dem Wettbewerb der Industrie außerhalb der EBS stark ausgesetzt sind.
  • Die Produktion ist sehr energieintensiv.

Sowohl für Entscheidungsträger als auch über statistische Datenauswertung ist es ist schwierig, die Auswirkungen der CO2-Kompensation zu quantifizieren. Entscheidungen, die zu Carbon Leakage führen können, wie z. B. Änderungen in der Produktion, Standortsstilllegungen, nicht realisierte Investitionen und Anpassungen der Produktionskapazität, werden von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Darüber hinaus trat das System erst 2012 in Kraft, und die überwiegende Anzahl relevanter Entscheidungen werden langfristig getätigt.

Als Grundlage für unsere Analyse haben wir daher Interviews mit Entscheidungsträgern in der norwegischen Industrie durchgeführt, die CO2-Kompensationen erhalten haben, um die Rolle des Ausgleichsmechanismus für relevante Entscheidungen aufzudecken. In den Interviews haben wir untersucht, wie sich das System auf drei Arten von Entscheidungen ausgewirkt hat, die zu Carbon Leakage führen können: Investitionsentscheidungen, Produktionsentscheidungen und Kundenentscheidungen.

Wir halten es für wahrscheinlich, dass der CO2-Ausgleichsmechanismus CO2-Leckage verringert hat, vor allem durch das Beeinflussen von Investitionsentscheidungen. Zusätzlich zum monetären Wert des Geldtransfers fungiert das System künftig auch als Versicherung gegen höhere CO2-Preise und sendet der Industrie ein positives Signal der langfristigen Unterstützung ihrer Aktivitäten durch die norwegischen Behörden.

Das System hat einen schwächeren Einfluss auf Produktionsentscheidungen. Dies ist nicht überraschend, da die Vergütung auf der historischen Referenzproduktion basiert und nur von großen Produktionsänderungen beeinflusst wird.

Kundenentscheidungen könnten möglicherweise das Risiko von Carbon Leakage verringern, wenn Kunden bereit sind, für Produkte aus Bereichen zu zahlen, in denen die CO2-Kosten internalisiert werden. Es gibt jedoch kaum Anhaltspunkte dafür, dass diese Zahlungsbereitschaft derzeit in den Märkten der norwegischen energieintensiven Industrie besteht.

Lesen Sie mehr (auf Norwegisch):

THEMA Rapport 2019-20 >> Betydningen av karbonpriskompensasjon for norsk industri

portrettbilde, forfatter

Arndt von Schemde
Partner und CEO (DE), Dr.
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